REVIERINHABER UND WALDBESITZER - HAND IN HAND

Hegegemeinschaft Chiemsee West

Die Hegegemeinschaft IV - Chiemsee West ist eine auf Basis der Jagdgesetze bestehende Vereinigung von Revierinhabern im Landkreis Rosenheim, die 32 Reviere und insgesamt eine Fläche von mehr als 15.000 Hektar jagdlich bewirtschaften. Die Hegegemeinschaft ist ein rechtlich vom Bayerischen Jagdverband unabhängiger nicht rechtfähiger Verein. Nicht alle Revierinhaber sind Mitglieder im Bayerischen Jagdverband und gehören auch nicht der Jägervereinigung Rosenheim an. Die Jagdbehörden sind durch das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten angehalten, den engen Dialog zu den Hegegemeinschaften zu suchen. Die Rechte auf Anhörung und Vermittlung sind gesetzlich geregelt (siehe auch: Rechte der Hegegemeinschaft). 

Jedes einzelne Mitglied bringt neben seiner beruflichen Tätigkeit aus Passion, Hingabe und Überzeugung heraus, seinen weit überwiegenden Anteil der Freizeit in die jagdliche Bewirtschaftung der uns anvertrauten Reviere ein. 

Die Leidenschaft und Freude, die die Revierinhaber der Hege des Wildes, der Erhaltung der ökologischen Lebensräume und der Achtung der waldbaulichen Eigentümerinteressen entgegenbringen, verdient Respekt. Denn es geht nicht nur um Zeitaufwand, sondern auch um den Einsatz erheblicher finanzieller Mittel, um die jagdlichen Aufgaben erfüllen zu können. Auch wir Revierinhaber brauchen  Planungssicherheit und Vertrauen, wenn wir Freude an unseren Unternehmungen haben sollen. Das altbewährte Revierjagdsystem mit einer langfristigen im bayerischen Jagdgesetz vorgesehenen Pachtdauer ist Garant dafür.

Denn Jagd ist nicht nur Ansitz im grünen Rock. 

Jagd der Revierpächter ist vor allem: 

  • Schaffung und Erhaltung ökologischer Wildlebensräume
  • Errichtung jagdlicher Einrichtungen
  • Anlage von Wildäckern
  • Bau von Wildschlachträumen, die die hygienischen Standards erfüllen
  • Erwerb und Abrichten brauchbarer Jagdhunde
  • Erwerb von Jagdwaffen und Jagdoptik
  • Training der Schießfertigkeit auf Schießständen
  • Beschickung von Fütterungen in Notzeiten
  • Anbringung von Verbißschutzmaßnahmen
  • Ausbildung und Fortbildung der Mitglieder in jagdlicher und forstlicher Hinsicht
  • Nachwuchsförderung
  • Erledigung von weitreichenden Pflichten gegenüber den Jagdbehörden

Wir haben schon aufgrund unserer Ausbildung Verständnis für den gesetzlich verankerten Grundsatz (Art 1 Abs. 2 BayWaldG) "Wald vor Wild". Dieser plakative Grundsatz wird leider häufig einseitig von Interessengruppen mißbraucht und mißverstanden. Denn der Gesetzgeber wollte damit nicht die Schöpfungsgeschichte und seine Individuen in wichtigere und unwichtigere Kreaturen eingruppieren.

Unsere geschätzten österreichischen Nachbarn haben im August 2012 in der Mariazeller Erklärung, die von allen österreichischen Jagdverbänden und den Vertretern der Forstwirtschaft unterzeichnet wurde, eine weit bessere und ausgewogenere Formulierung gefunden, als den mißverständlichen Ausruf "Wald vor Wild". In der Mariazeller Erklärung heißt es:

„Wildtiere sind integraler Bestandteil der Waldökosysteme. Wir bekennen uns vorbehaltlos zur multifunktionalen Waldwirtschaft mit ausgewogenen Lebensraumbedingungen“

Es geht letztlich um die Nachhaltigkeit der Nutzung aller natürlichen Lebensräume und der darin enthaltenen Tiere. Holz und Wildbret werden und sollen genutzt werden. Dies kann vernünftig nur durch gegenseitige Rücksichtnahme erfolgen. Wir suchen deshalb den engen Schulterschluß mit den Jagdgenossen (Waldeigentümern), um Konflikte erst gar nicht aufkommen zu lassen. Der weit überwiegende Anteil der Waldeigentümer, die häufig selbst auch Jäger sind, ist kooperativ. Die Presse und bestimmte Teile der Lobbyisten versuchen immer wieder, die angeblich unüberwindbaren Konflikte zwischen Jägern und Waldeigentümern anzuschüren. Wir appelieren an Toleranz, Verständnis für den anderen Teil und die Erkenntnis, dass sich die Natur letztlich durch den Menschen nicht bis ins letzte Detail regeln lässt. Fakt ist, dass in den letzten Jahrzehnten sowohl die Waldflächen als auch die Holzvorräte gerade in Oberbayern erheblich zugenommen haben (siehe auch: Waldbau). Die nachhaltige Bejagung hat daran einen hohen Anteil. Weiter sollten Waldbesitzer und Jäger wissen, dass die nachhaltige Bejagung dem Waldbesitzer auch bares Geld bringt. Denn eine dem Äser entwachsene Naturverjüngung mit einem Laubholzanteil von mindestens 30 % (wobei die Tanne als Laubholz gewertet wird) wird ab einer Mindestfläche von 0,2 ha mit bis zu 1.000 € pro Hektar über das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten durch unser aller Steueraufkommen gefördert. Es lohnt sich also für den Waldbesitzer durchaus, wenn er mithilft, die Pflanzen aus dem Äser zu bringen und nicht nur die Verantwortung beim Jäger sieht. Denn schließlich zahlt der Jäger in zweifacher Hinsicht: Einmal über die Pacht und einmal über die Steuer für die Fördermittel. Land- und Forstwirte können auch durch rücksichtsvolle Bewirtschaftung der Flächen zur Erleichterung der Abschußplanerfüllung mithelfen. Rehwild ist "Saumwild". Es hält sich zur Nahrungsaufnahme bevorzugt an den Säumen und Rändern der Wälder und Einstandsflächen auf,  um bei Gefahr schnell in die Deckung zurückweichen zu können. Wenn diese Ränder und Säume nun mit Gülle gedüngt werden, nimmt das Rehwild dort keine Äsung mehr auf, bleibt im Wald und der Verbiß erhöht sich. Ein ungedüngter Streifen von 2 - 3 Metern am Rand der Einstände bedeutet für Land- und Forstwirte letztlich gar keinen Ertragsausfall, da dies durch wesentlich verbesserte Naturverjüngung und größere Holzzuwächse bei weitem wettgemacht wird.